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HiFly 2007
SURFIVAL, GOING SOUTH AMERICA

 

"Hey Dude come to Brazil, October is da best, good waves, wind and allways some action here” hieß es in einer Mail, die ich von Konan, einem Freund aus Florianopolis/ Brasilien erhielt.

 

 

Eigentlich wollte ich die Wintermonate in Chile trainieren, doch das Angebot hörte sich verlockend an. Letzten Endes entschied ich mich einfach beides mit einander zu verbinden. Ein Roadtrip durch Südamerika hörte sich nach einer aufregenden Zeit an. In Begleitung eines Kameramanns, der im Auftrag meines neuen Sponsor Fiat reichlich Actionmaterial produzieren sollte, machte ich mich auf den Weg. Starschuss für diese Reise war Anfang Oktober in Rio de Janeiro.

 

Selten zu vor habe ich eine so beeindruckende Stadt gesehen! Rio liegt direkt an der Küste, umgeben von bis zu tausend Meter hohen Bergen. Die Kulisse ist einzigartig; der Zuckerhut als Wahrzeichen der Stadt, das hektische Treiben in den  Straßen, sowie die Stadtstrände, die wirklich sehenswert sind... Ich lerne gleich zu Beginn das typische Klischee Brasiliens kennen: pure Lebensfreude, beeindruckende Landschaften, schöne Menschen, endlose Partys aber auch sehr große Gegensätze zwischen Arm und Reich.

 

 

Fast jeder Stadtteil ist von Farvelas umgeben in denen tausende von Menschen auf kleinstem Raum in erbärmlichen Verhältnissen leben. Oft befinden sich gleich daneben protzige Villenviertel, streng bewacht von der Polizei. Die Kriminalität ist leider sehr hoch und man sollte aufpassen, wo man hingeht.

 

 

Windsurftechnisch ist Rio nicht mit Hawaii zu vergleichen und ich komme in diesen 10 Tagen nur ein einziges Mal aufs Wasser. Der Spot Barra, 10km südlich der City, zeigt jedoch ordentlich Potential. Die Wellen sind kraftvoll und brechen über eine seichte Sandbank.

 

Die etwas bescheidene Windstatistik bewegt mich schließlich zum Aufbrechen, um meine Route nach Süden fortzuführen.

 

Der Nächste Stopp ist Florianopolis. Die Surferstadt, gute 2000 km südlich von Rio gelegen, bietet reichlich Abwechslung. Es stellt sich als Paradies für Wellenreiten, Dschungeltrips, Motocross, Fischen und natürlich Windsurfen heraus.

 

Über einen Monat bleibe ich hier hängen und genieße den brasilianischen Lifestyle in vollen Zügen. Konan, ein Freund von der PWA Worldtour, der mich längst in seiner Familie integriert hat, hält uns täglich mit neuer Action auf Trapp. Er zeigt mir jede Ecke seiner Heimat und wir erleben wirklich gute Sessions an Stränden wie Ibiraquera, Mozambique, oder Campeche. Ich lerne, was es heißt ein Brasilianer zu sein. Anscheinend geht man hier nur so viel arbeiten damit man über die Runden kommt. Der Rest besteht aus Freizeit und Vergnügen – ganz einfach LEBEN! Dieser Lifestyle, ohne Karriere und Statusdenken mag sehr simple sein. Aber vielleicht ist gerade das der Grund, warum die Menschen hier immer ein breites Lächeln im Gesicht haben.

 

Nach einer längeren Flautenperiode ziehen wir schließlich weiter und erreichen nach 20 Stunden „on the Road“ die ziemlich runtergekommene Hafenstadt Rio Grande. Die südlichste Großstadt Brasiliens überzeugt mit einer guten Windstatistik und super netten Locals. Dafür sieht das Wasser mit seiner braunen Farbe leider nicht sehr einladend aus. Auch die Wellen lassen etwas zu wünschen übrig. Obwohl uns schon nach 2 Tagen unser eigenes kostenloses Appartement zur Verfügung gestellt wird, entscheiden wir schließlich unser Glück im benachbarten Uruguay zu versuchen. Der Trip wird zum reinsten Abenteuer. Der beste Spot namens Playa Grande liegt in einem Militärgebiet und ist nur über Irrwege zu erreichen. Das Wasser ist auch hier sehr braun und es wimmelt darin von Schildkröten und anderen Meeresbewohnern.

 

 

Die Welle von links hat ausgiebig Power mit einer guten Höhe von 2-3 Metern. Nach kurzer Eingewöhnungsphase traue ich mir mehr zu und riskiere am Ende doch etwas zuviel. Ein fehl getimter Cutback zieht einen fetten Waschgang nach sich, bei dem ich mein Material verliere. Die starke Strömung treibt mich vor eine große Felsklippe und nur mit mächtig Schwein bekomme ich mein Surfstaff noch rechtzeitig zu greifen und schaffe es gerade so vor dem nächsten Set über die Brecherzone.Es ist schon ein komische Gefühl, alleine an  einem unbekannten Spot mitten in der Pampa aufs Wasser zu gehen. Doch am Ende lief alles gut.

 

Wir entschließen uns das Mietauto in Brasilien abzugeben und mit einem Bus nach Chile zu fahren. Die Fahrt quer durch Südamerika dauert ca. 50 Stunden, doch wir haben keine andere Wahl. Die Flüge von Brasilien nach Chile sind mit 700€ + Übergepäck zu teuer und das Mietauto muss innerhalb der Landesgrenze bleiben.

 

Die Stimmung im Bus ist unerwartet gut. Als die „german gringos“ sind wir unter den Insassen, die größtenteils aus Chile, Argentinien und Brasilien kommen, eher Exoten. Wir werden mit reichlich chilenischem Wein versorgt, sodass die 3 Tage wie im Fluge vergehen. Die Kopfschmerzen blieben leider etwas länger...

 

Chile zeigt sich von seiner besten Seite. Es ballert fast jeden Tag und wir erleben fette Tage an Spots wie Llico, Topocalma, Pupuya und Matanzas. Das Fischerdorf Pichilemu, zwei Stunden südlich von Santiago, ist für die nächsten Wochen unsere neues Zuhause. Von hier aus sind alle übrigen Windsurfspots innerhalb einer Stunde zu erreichen. Im Gegensatz zu  Brasilien ist hier nicht viel los. Außer ein paar Restaurants, einem Internetcafe und  kleineren Einkaufsläden, die von Kleidern über Autoteile bis hin zu Gemüse alles in ihrem Sortiment führen, gibt es relativ wenig. Die Einwohner sind jedoch immer interessiert und zuvorkommend wenn man den Kontakt mit ihnen sucht.

 

Nach zwei guten Monaten in Südamerika fliege ich mit vielen guten Erinnerungen  von Santiago nach Deutschland zurück.

 

Die Reise übertraf all meine Erwartungen. Alle meine anfänglichen Zweifel am Roadtrip durch Südamerika waren unbegründet. Ich hatte fette Tage auf dem Wasser und gewann Freunde aus den unterschiedlichsten Ecken Südamerikas. Nebenbei kam auch noch reichlich Videomaterial zusammen, das auf einen actiongeladenes Video hoffen lässt.

 

Aloha, Euer Flow

 


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